Im Abtei-Museum von Saint-Claude kann die von zwei Malern gestiftete Sammlung bewundert werden. Gleichzeitig laden die archäologischen Überreste im Untergeschoss zur Besichtigung ein. Eine gelungene Verbindung zwischen der stillen Vergangenheit und sprechenden Bildern.
Ein neues Museum in der Geschichte verwurzelt
Auch wenn das Museum im Herbst 2008 in der Abtei von Saint-Claude eröffnet wurde, die Grundmauern seines Gebäudes stammen vom V. Jahrhundert, genau gesagt aus dem Jahre 430. Die Stadt hieß zu dieser Zeit Saint-Oyend von Joux. Mönche, die durch die Stille dieses von den Bergen und Wäldern des Jura umgebenen Ortes angezogen wurden, gründeten hier ein Kloster. Im Jahre 639 kommt Claude, der noch kein Heiliger war, an diesen Ort.
Fünf Jahrhunderte später wird sein unverwester Körper gefunden. Ab diesem Zeitpunkt geschehen Wunder und die Abtei wird ein Wallfahrtsort. Im Laufe der Zeit zerstören dann Brandstiftungen und Plünderungen diese geweihte Stätte, die heute unter neuen Gebäuden verborgen liegt.
Archäologie zur Bewahrung der Vergangenheit
Durch archäologische Grabungen wurden Überreste freigelegt. Zwei Kapellen wurden entdeckt, die als Stätten für Toten-Gedenkfeiern sowie für Messen und Prozessionen dienten.
In einer dieser Kapellen entdeckte man Wandmalereien aus dem Spät-Mittelalter. Sie wurde im 18. Jahrhundert als Schlafzimmer und im 20. Jahrhundert als Keller benutzt. Die andere Kapelle wurde zur Privatkapelle des Abtes und später, ab 1743, in eine Küche umgestaltet. Heute können Sie sich hier über die Geschichte der Klöster des Jura, die zu den Ältesten in Frankreich gehören, informieren.
Eine qualitätvolle Architektur
Es ist nicht leicht, ein Gebäude zu konzipieren, das einer derartigen Vergangenheit ebenbürtig ist. Diese Herausforderung wurde jedoch mit dem Abtei-Museum vollkommen gemeistert. Den Architekten Adelfo Scaranello und Paul Barnoud ist es gelungen, die Epochen, aber auch die Geschichte, die Kunst und die Kunstgeschichte miteinander in Einklang zu bringen. Die Kathedrale weist eine klassische Fassade auf; sie wurde seit 2005 unter Denkmalschutz gestellt. Auf der Gartenseite ist die Fassade intakt, jedoch mit großen Glasfenstern versehen, die dem Bauwerk eine zeitgenössische Note verleihen. Man sieht sogar die Treppe, die zum Untergeschoss führt. Ein besonderer Rahmen zur Aufnahme einer außergewöhnlichen Sammlung…
Zwei Maler – Freunde und Sammler
Guy Bardone wurde im Jahre 1927 in Saint-Claude geboren. Er wurde Maler, ebenso wie sein Freund René Genis. Sie sammelten einige hundert Werke der französischen Malerei aus der Zeit zwischen 1920 und den achtziger Jahren. Dufy, Bonnard, Gromaire… die Sammlung ist auf die figürliche Malerei ausgerichtet. Die beiden Freunde beschließen, ihre Sammlung der Stadt Saint-Claude zu schenken: Die Schenkungsurkunde wird am 2. April 2002 in Bandol im Haus von René Genis unterzeichnet. Dank dieser Schenkung können wir heute 320 Werke, die in den 6 Räumen des Abtei-Museums ausgestellt sind, bewundern.
Die Räume des Museums
Im ersten Raum mit dem Thema „zu Beginn der Moderne“ wurden die Gemälde des 19. Jahrhunderts zusammengefasst. Ein Raum ist dem Maler Pierre Bonnard gewidmet, der von Guy Bardone bewundert wurde. Ein weiterer Raum zeigt am Meer gelegene Landschaften sowie die Bilder der beiden Maler und Stifter. Im zweiten Geschoss werden in einem Raum Landschaftsbilder gezeigt, die denen, die man beim Blick aus dem Fenster sieht, gleichen. In einem anderen Raum werden Stillleben ausgestellt. Das Abtei-Museum beherbergt auch zeitlich begrenzte Sonderausstellungen.